Mein Seminar in der Q12 neigt sich dem Ende zu. Im Rahmen dieses P-Seminars sollte ein Feld mit Silphium perfoliatum (Durchwachsene Silphie) angelegt werden, um diese Maisalternative als Energiepflanze bekannter zu machen.


Eigentlich ist alles erledigt. Die Felder sind bepflanzt, die Berufs- und Studieninformation ist durch, alle Referate sind gehalten und vor den Ferien mussten die Teilnehmer ihr Portfolio abgeben. Ich muss jetzt noch die Noten festsetzen und dann fehlen noch die Abschlusstreffen mit Notenbekanntgabe und Feedback.

Wie sieht mein Fazit aus?

  • Wir haben unser Minimalziel weit übertroffen und mehr Pflanzen aufs Feld gebracht als wir uns anfangs zugetraut hatten
  • Nach zögerlichem Beginn, bei dem ich immer etwas anschieben musste, haben sich im weiteren Verlauf die Führungsrollen für einzelne Aufgaben auch im Seminar verteilt
  • Anfangs groß erscheinende Probleme sind manchmal leicht lösbar, Kleinigkeiten können zu großen Problemen werden
  • Nicht jeder, der irgendwann eine Zusage ohne Einschränkung macht, kann und will diese später auch ohne Einschränkung einlösen
  • Es ist schwer, den Beitrag der Einzelnen zu einem Gemeinschaftswerk zu beurteilen
  • Niedrige oder scheinbar niedrige Ansprüche von Kollegen verderben die Motivation bei Schülern, während hohe oder scheinbar hohe Ansprüche von anderen Kollegen nicht zum „wir-haben-es-viel-besser-Gefühl“ führen.
  • Ein Seminar ist eine tolle Abwechslung, aber man steckt viel mehr Arbeitszeit rein als für normale Stunden, obwohl oder vielleicht sogar weil man die Schüler viel selbst planen und machen lassen will.

Ich bin mal gespannt auf das Feedback meiner Seminarteilnehmer und natürlich vor allem darauf, wie sich die Bestände der Silphiepflanzen auf den drei Feldern im nächsten Jahr entwickeln.

Das „Bienenfenster“ oder auch von seinem Erfinder „Apiarium“ genannt ermöglicht es vom Biosaal aus direkt in einen Bienenstock zu sehen. Dafür muss man allerdings -wie bei anderen Bienenvölkern auch – gelegentlich ein paar Pflegearbeiten durchführen, wenn man will, dass es dem Bien möglichst gut geht.
Unser Volk ist mit großer Arbeiterinnenzahl durch den Winter gekommen und hat ziemlich früh im Februar mit der neuen Brut begonnen. In den letzten Tagen war im Sonnenschein auch schon fleißig Sammeln an den Frühblühern angesagt. Im Moment ist allerdings kein gutes Flugwetter und die Wintervorräte sind fast vollständig aufgebraucht. Also haben wir heute einen Rahmen mit leeren Waben durch einen ersetzt, der noch Honig enthält.
Der Umbau am Apiarium ist etwas aufwändiger als in den normalen Beuten, aber geht auch noch einigermaßen gut, wenn man zu zweit ist. Einen großen Teil der Zeit muss man für das Einfangen der Bienen im Biosaal einplanen, weil manche dann doch lieber eine Runde an den Scheiben entlang fliegen als durch das letzte noch offene Loch in den Stock zu krabbeln.

Via Teachersnews bin ich gerade vorher auf einen interessanten Ansatz für Computernutzung in der Schule gestoßen:
Die Fachhhochschule Nordwestschweiz bietet über die Webseiten der Beratungsstelle für digitale Medien und Unterricht einen sogenannten Lernstick an.
Ein Lernstick ist ein USB-Stick, der mit einem Betriebssystem und Software bespielt ist. Damit ist ein Start vom Stick auf einem handelsüblichen Computer möglich bei dem keine Software und kein Betriebsstystem installiert sein muss, der eigentlich nicht mal eine Festplatte braucht.
Wo sehe ich die Vorteile?

  • Für die Schule reicht ein günstiger PC mit Netzanschluss
  • Die Schulcomputer benötigen keine Software und damit keine Administration
  • Alle enthaltenen Programme sind Freeware, die man dann nicht für jeden Schüler kaufen muss
  • Die Schüler können auf ihrem Stick die Oberflächen und Voreinstellungen der Programme individuell einrichten
  • Die Nutzer verwenden immer die gleiche Programmversion
  • Die Daten sind immer dabei, wenn man arbeitet, weil sie auch auf dem Stick gespeichert sind

Ich muss mir das mal genauer ansehen und so ein Teil einrichten. Das Image und eine Anleitung gibts ja direkt zum Download. Jetzt muss ich mir nur einen größeren Memorystick besorgen.

Die Süddeutsche berichtet von den Ergebnissen einer schwedischen Untersuchung:

Eigentlich hätte das Feld kahl sein müssen. Zehn Jahre lang hatten Mitarbeiter des schwedischen Landwirtschaftsministeriums Gift gespritzt, jährlich gepflügt und jede Rapspflanze ausgerupft, die sich trotz dieser Behandlung auf der 1200 Quadratmeter großen Versuchsfläche behaupten konnte. 

Dass trotzdem noch Samen von den genveränderten Pflanzen im Boden waren und neue Pflanzen gewachsen sind, nährt wohl nicht nur bei mir die Befürchtung, dass wir manche Geister, die wir riefen nicht mehr loswerden. Jeder Landwirt sollte sich entsprechend gut überlegen, ob er solches Saatgut verwenden will, wenn er damit seinen Acker für die Zukunft auch schon angesät hat. 

Über TeachersNews bin ich auf den Artikel „ADHS bremst das Gehirn“ bei Wissenschaft.de aufmerksam geworden.
Laut der dort beschriebenen Studie reifen bei ADHS-Kindern die Gehirnbereiche abweichend zur Norm. Die Bereiche für Bewegung früher und die Bereiche für Kontrolle der Bewegung und Aufmerksamkeit später als bei unauffälligen Kindern. Eine schlimme Kombination für alle Betroffenen. Immerhin eine Erklärung, warum ADHS bei Erwachsenen meist nur noch schwach ausgeprägt ist. Als Lehrer stell ich mir dann die Frage, ob es sinnvoll wäre, die Lernzeit später ins Leben zu verlegen, wenn sich die Probleme auswachsen?

Bei Spiegel-Online hab ich mich gerade über den Artikel VERTRETUNGSLEHRER DR. SOMMER amüsiert.
Laut diesem Bericht hat der erste Dr. Sommer (von der gleichnamigen Rubrik in der Zeitschrift Bravo), der im bürgerlichen Leben Martin Goldstein heißt und heute 79 Jahre alt ist, in einer Zehnten Klasse eine Stunde zur Sexualerziehung gehalten. Dabei hat er dasselbe erlebt, das wohl jeder Lehrer kennt, der auch das zweifelhafte Vergnügen solcher Stunden hat: Alle wissen angeblich schon alles, aber in der Stunde bringen nur wenige den Mund auf.

Unter dem Titel „Schluss mit der Langeweile“ gibts im Tagesspiegel einen Artikel darüber, dass in ganz Europa die Studienanfängerzahlen in den naturwissenschaftlichen Fächern sinken.
Als einen wichtigen Grund dafür sieht Dieter Lenzen (Erziehungswissenschaftler und Präsident der FU) eine „mentale Barriere der Kinder den Naturwissenschaften gegenüber“, die man durchbrechen müsse.
Eine EU-Expertenkommission mit seiner Beteiligung gibt dazu an: „Denn dem traditionellen Unterricht gelingt es kaum, naturwissenschaftliches Interesse zu wecken. Mehr noch: Er lässt die ’natürliche Neugier‘ der Kinder sogar erschlaffen, kann also geradezu einen ’negativen Einfluss auf die Einstellung gegenüber den Naturwissenschaften ausüben‘. Als Grund hierfür wird die häufig verwendete deduktive Vorgehensweise angeführt: Vorstellen eines Konzepts und Anwendung auf die Praxis. Intessanter finden die Kinder normalerweise den induktiven Ansatz: Problem aus der Praxis und selbst ein Konzept (durch Versuche) erarbeiten.
Vorgeschlagen wird das SINUS-Transfer Programm zu verwenden (Nachfolger des SINUS-Programms). Aus meiner Erfahrung mit dem SINUS-Programm kann ich dazu nur sagen, dass es sich lohnt, an einigen Stellen die Zeit zu investieren, die man benötigt, um hier Naturwissenschaft auf andere Weise zu vermitteln. Um Unterricht durchgängig so zu gestalten, fehlen aber Zeit, räumliche und personelle Voraussetzungen. Mit der induktiven Methode ist man langsamer, also schafft man nicht die ganzen Inhalte des Lehrplanes (wobei zwischen „habe ich unterichtet“ und „haben die Schüler gelernt“ ja bekanntlich ein großer Unterschied bestehen kann). Die Vorbereitung und Nachbearbeitung benötigt mehr Zeit, weil man verschiedene Materialien vorbereiten muss (z.B.: mehrere Versuchsanordnungen). Manche Räume sind ungeeignet, um mit einer Klasse zu experimentieren. Es ist nicht möglich alleine, eine Klasse mit mehr als 30 Schülern so zu beaufsichtigen, dass alle gefahrlos experimentieren können (man also bei Gefahr jederzeit eingreifen kann). Leider musste ich auch feststellen, dass Schüler höherer Klassen schon so weit durch die Schule verdorben sind, dass sie sich nicht mehr anstrengen wollen. Es ist dann bequemer der Deduktion zu folgen als selbst durch Überlegung mit Induktion zu einem Ergebnis zu finden. Wenn man also will, dass hier etwas anders wird, muss man nicht nur die Lehrer schulen, sondern auch die Rahmenbedingungen verbessern. Bis dahin bleibt es der Initiative der einzelnen Lehrer überlassen, ob sie ihren Unterricht anders gestalten. Sie haben damit immerhin mehr Arbeit, mehr Risiko falls etwas schief läuft und bekommen auch nicht mehr Anerkennung – sowas wie „ich danke allen Kollegen, die….“ in einer Konferenz zählt hier nicht.

Nachdem ich auch erst vor kurzer Zeit an einem Elternabend damit konfrontiert wurde, dass in Biologie die Evolutionstheorie im Widerspruch zu den religiösen Gedanken von Eltern stehen kann, wurde ich heute durch diesen Artikel in der Süddeutschen Zeitung daran erinnert. Darin abgedruckt ist ein Interview mit dem britischen Historiker John van Wyhe, der das komplette Werk von Darwin (inklusive Tagebüche usw.) unter der URL http://darwin-online.org.uk ins Netz gestellt hat.

Im (bei der SZ abgedruckten Interview) sagt van Wyhe zur Probelmatik Schöpfung gegenüber Evolution: „Zu Darwins Zeit war die Vorstellung, es habe nur eine Schöpfung gegeben, unter Wissenschaftlern schon lächerlich. Dabei waren diese Leute alle ernsthafte Christen, die glaubten, Gott habe die Welt erschaffen – aber mehrmals geändert. Das spiegelte die Fossiliengeschichte für sie wieder.“ und in der nächsten Antwort „Darwin hat diese Vorstellung nur etwas verändert. Was aussah wie viele neue Schöpfungen war für ihn ein einziger, langer Prozess, bei dem sich aus einer Art neue Arten entwickelten.“

Laut dem oben zitierten Interview glaubte Darwin wohl an einen Schöpfer, der Regeln für den weiteren Verlauf der Entwicklung festgelegt hat, nach denen sich seit der Schöpfung das Leben abspielt und verändert. Diese Ansicht ist für mich viel eher nachvollziehbar als reiner Kreationismus, der die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse leugnet, aber auch besser nachvollziehbar als reine Naturwissenschaft ohne Gott, die viele komplexe Probleme nicht zu erklären vermag.