Auf der Seite TeachersNews.net kann man gerade die Glosse Frischer Wind von Gabriele Frydrych lesen. Viele kennen vielleicht auch ihre Glossen aus Süddeutschen Zeitung, die dort immer mal wieder auf der Bildungsseite aufgetaucht sind. Ich persönlich habe ihre Glossen in den Büchern „Du hast es gut“ und „Dafür hast du also Zeit“ sehr genossen. Als Lehrer weiß man allerdings, dass die Realität oft noch härter ist als in der besten Glosse.
Letztes Jahr war ein Prüfungstext in der Realschul-Abschlussprüfung von ihr. Mit meinem Bericht im Blog Kellernews habe ich dabei ihr Interesse geweckt.

„Ein Sechstel Markenturnschuh kostet so viel wie ein neues Schulbuch.“ „Ein Viertel Markenjeans kostet so viel wie ein neues Schulbuch.“ „Ein halbes Geweih kostet so viel wie fünf neue Schulbücher.“ Das sind die Plakate zur Aktion „eigenes Schulbuch“, die man auch unter www.eigenes-schulbuch.de bewundern kann.
Auslöser für die Aktion ist der Beschluss der Länder Hamburg und Niedersachsen, künftig Schülbücher nur noch gegen Gebühr auszuleihen. Nur über die Sozialklausel kann man Bücher künftig noch kostenlos von der Schule bekommen. Dei anderen Bücher kosten pro Exemplar einen bestimmten Betrag, der vom Buchpreis abhängt. Ich finde das wenigstens ehrlich. Natürlich sehen das die betroffenen Eltern anders: Initiative Eltern gegen Büchergeld
In Bayern haben wir auch ein Büchergeld, aber hier muss jeder eine Pauschale bezahlen, egal wie viele Bücher er leihen will und sich befreien lassen ist auch nicht ganz einfach. Informationen gibts beim Bayrischen Rundfunk unter br-online.de/wissen
Wie sich mittlerweile gezeigt hat, kostet die bayrische Lösung viel Geld in der Verwaltung, sodass nur ein Teil der Einnahmen zusätzlich für Bücher verwendet werden kann.

Meiner Meinung nach sollte man überlegen, ob man im Sinne der Bildungsgerechtigkeit nicht besser ganz auf solche Zusatzsteuern wie Kopiergeld, Büchergeld usw. verzichtet. Bildung kostet Geld, aber schlecht ausgebildete Kinder werden Erwachsene mit schlechten Berufsaussichten. Das kostet wahrscheinlich viel mehr. Vielleicht wäre es sinnvoller, wenn man Eltern dadurch fördert, dass man die Kindergartengebühr, die Schulkosten usw. komplett aus Steuermitteln finanziert, statt Kindergeld und Zuschüsse zu zahlen und dann diese ganzen Gebühren zu erheben. Schließlich kosten alle Zahlungen und Gebühren auch Verwaltungsaufwand, den man sich dann sparen kann. Später spart man dann vielleicht auch noch Zahlungen und Verwaltungskosten bei der Unterstützung der schlecht ausgebildeten Arbeitslosen.

Vermutlich ist es bei der Förderung der Jungen und Mädchen wie immer im Leben: Die Mischung und Abwechslung machts. In Koeduktation lernen sie den selbstverständlichem Umgang mit dem anderen Geschlecht, aber reine Jungenklassen würden besser Sprachen lernen. Nachdem auch die Mädels in Mädchenklassen besser in den Naturwissenschaften und Mathe lernen, wäre es vielleicht zu überlegen, ob man nicht nur für Sport und Religion getrennte Gruppen bildet.

Diese Erkenntnisse sind immerhin bei wissenschaftlichen Untersuchungen bestätigt worden:
„Für die Mädchen kann sich der getrennte Unterricht durchaus auszahlen. Bleiben sie zum Beispiel im Physikunterricht unter sich, steigt ihre Überzeugung, eine Begabung für das Fach zu haben – eine wichtige Voraussetzung für höhere Lernleistungen. Die Geschlechterkonkurrenz spielt keine Rolle mehr. »Die Mädchen vergessen, dass sie Mädchen sind«, sagt Ursula Kessels von der Freien Universität Berlin.
Eine noch unveröffentlichte Untersuchung des Heidelberger Pädagogen Marc Böhmann legt nahe, dass Gleiches für Jungen gilt. Er beschäftigte sechs Hauptschulklassen – mal gemischt, mal getrennt – mit Literatur. Das Ergebnis: Ohne feminine Ablenkung konzentrierten sich die Jungen besser auf die Bücher, äußerten sich häufiger zu literarischen Figuren. Kaspereien und Machogehabe gingen zurück, das Lernklima verbesserte sich. »Einige Jungen waren wie umgepolt«, sagt Böhmann. Auch bei den Lehrern führte das monoedukative Lehren zu einer »bewussteren Haltung im Umgang mit den Geschlechtern«. Im Jungenunterricht wählten sie häufiger kürzere Texte mit Abenteuercharakter und männlichen Hauptfiguren.“ Quelle: Artikel: Die Krise der Kleinen Männer in Die Zeit

Es bleibt damit nur ein Problem: Wenn man die Klassen nur fächerweise trennt, um die positiven Auswirkungen der Koeduktaion zu erhalten, braucht man mehr Lehrerstunden und damit mehr Geld. Spätestens daran wirds dann wieder scheitern. Denn wenn ich bisher eine Erfahrung als Lehrer machen musste, dann dass nicht möglich ist, etwas zu verbessern, wenn es dadurch wesentlich teurer wird.

Wieder einmal geht es in der Presse um die Jungen als Schüler, die es nicht hinbekommen. Auslöser für meinen Blog ist der Artikel „Die Krise der Kleinen Männer“ in Die Zeit.
Als junger Vater eines kleinen Jungen freue ich mich natürlich über diesen Teil aus dem Zeit-Artikel: „Statistisch gesehen, müssen sich Eltern auf Ärger einstellen, wenn es bei der Geburt heißt: »Es ist ein Junge.« Denn egal, ob Schreibabys oder Zappelphilipps, Legastheniker oder Computerjunkies, Söhne beschäftigen die pädagogischen Beratungsstellen weit stärker als Töchter“.
Später im Artikel wird dann auch noch ein Problem angesprochen, das ich auch schon seit längerem bedenklich finde: „»Kinder in Kitas brauchen Männer«, sagt Holger Brandes, Direktor des Instituts für Frühkindliche Bildung an der Evangelischen Hochschule in Dresden. Erzieher würden gelassener reagieren, beim Toben später eingreifen und damit den Interessen von Jungen eher entgegenkommen. Die typische Kita aber ist weiblich. Bücher, Spielzeuge und Räume seien eher auf Mädchen ausgerichtet, sagt Sascha Denzel.“ Und im nächsten Absatz:
„Verschlechtert die weibliche Übermacht in Kita und Schule die Chancen der Jungen? Eine Studie der Berliner Pädagogikprofessorin Renate Valtin stützt diesen Verdacht. Jungen erhielten bei gleicher Leistung in Deutsch und Sachkunde im Schnitt schlechtere Zensuren als Mädchen, hat Valtin ermittelt. Beim Diktateschreiben machen Jungen weniger Fehler, wenn Begriffe wie Ritter, Dinosaurier oder Fußball auftauchen – doch solche »Jungenwörter« kommen in orthografischen Tests seltener vor.“

Na da haben wir ja endlich den Grund – einfach mehr Rücksicht auf die Jungs nehmen und mehr Jungenthemen in der Schule (vorsicht Ironie!!!).
Natürlich ist es unbestritten, dass Kinder und vor allem Jungs auch männliche Vorbilder brauchen. Das große Problem der weiblichen Kinderbetreuung ist vielleicht aber auch nur deshalb so groß, weil viele Kinder NUR noch in der Betreuungseinrichtung auf ein männliches Vorbild treffen könnten. Daheim gibts nämlich keines, weil der Vater zwar ein Erzeuger ist ist, aber seine Vaterpflichten mit der Finanzierung der Familie bereits erfüllt sind, oder weil der Vater es vorgezogen hat, sich eine neue Partnerin ohne die lästige Verpflichtung mit dem Kind zu suchen oder aber weil die Mutter im Zeitalter der Emanzipation nicht an einer Beziehung arbeiten wollte, sondern lieber bequem den Vater entsorgt hat… oder… oder…
Gründe mag es viele geben, aber die Folgen für die Kinder sind immer gleich: Kein männliches Vorbild in der Familie. Kindergärtnerin war -soweit ich weiß- schon immer ein weiblich dominierter Beruf. Die männlichen Grundschullehrer und Lehrer an weiterführenden Schulen wurden in der Zeit, die ich miterlebt habe, allerdings immer weniger. Gerade wenn Kinder älter werden und dabei vor allem ab der weiterführenden Schule werden die Jungs zunehmend „unbequemer für die Schule“. Spätestens da bräuchte man männliche Vorbilder und Erzieher. Das sehe ich bei meiner täglichen Arbeit. Wo ich und andere männliche Kollegen von den pubertären Jungs ohne großen Aufwand als Chef im Ring akzeptiert sind, tun sich weibliche Kolleginnen oft schwerer.
Da es vermutlich leichter ist, in der Schule was zu verändern als in der gesamten Gesellschaft, müsste man vielleicht hier die Männerquote erhöhen. Vielelicht sollte man mal überlegen, warum so wenig Männer freiwillig diesen Beruf ergreifen und dann an den Ursachen was verändern. Mir fallen genug Gründe ein… aber zum Glück (für die Jungen) gab es für mich und auch einige andere Männer trotzdem noch genug Gründe für den Lehrberuf.
Ein interessantes Beispiel zum Unterschied zwischen Mann und Frau in der Erziehung findet man im Artikel Junge, Junge im Blog Kreide fressen. Dabei auch dem Link zum älteren Artikel folgen.