An einem Gymnasium in Amberg haben Schüer mit ungeöhnlichen Mitteln etwas nachgeholfen, dass der Abischnitt besser wird. Sie haben im Computer der Schule die Noten aus der Kollegstufe verbessert. Dummerweise ist es aufgefallen und statt besserem Abi gibts nun Ärger. Immerhin durften sie erst in Ruhe ihre Abiprüfungen schreiben, ehe man zur Hausdurchsuchung kam…
Berichte gibts bei Spiegel-online.de oder der Süddeutschen Zeitung
Interessant finde ich vor allem, dass es scheinbar von einem Computer aus geschehen ist, der Lehrern vorbehalten sein sollte. Da stellt sich doch auch die Frage, wie man unbemerkt in Ruhe daran arbeiten konnte.

Bei Bildungsklick.de gab es heute einen Artikel zum Bericht des Wissenschaftsrates, der sich darüber beschwert, dass die Notengebung an den Unis zu wenig diffenziert.
„Zu den Ergebnissen der Studie im Einzelnen:
Die besten Durchschnittsnoten sind in den Diplomstudiengängen an Universitäten in Biochemie (1,51) zu verzeichnen, gefolgt von Biologie, Physik (jeweils 1,54)“
Über die Differenzierung wird hier zwar wenig gesagt, aber bei dem Schnitt, können ja nicht viele schlechter als Note 2 sein.
Leider gibts auch keine Studie zu den Ursachen, denn zur gesamten Studie gilt „Ob dieses Phänomen auf besonders begabte Studierende oder aber auf besonders großzügige Professoren zurückzuführen ist, lässt sich aus dem vorliegenden Datenmaterial nicht erschließen, denn es gibt keinen Aufschluss über die unterschiedlichen Rahmenbedingungen und ihren Einfluss auf das Zustandekommen der Noten.“

Na dann will ich dem Hochschulrat mal ein paar Tipps geben:

  • Als ich mein Studium begonnen habe, war der NC für das Fach Biochemie an meiner Uni noch 1,2 im Abi. Das studieren dann nur absolute Streber oder Leute, die wirklich eine sehr überdurchschnittliche Auffassungsgabe haben. Das ändert sich während des Studium nicht. Warum sollten sie plötzlich schlechte Schnitte kriegen?
  • Naturwissenschaften gelten als anspruchsvoll und sind seit einigen Jahren keine Modestudiengänge mehr. Das studiert man nur mit Interesse.
  • In manchen Studiengängen fallen viele durchs Vordiplom und beenden damit dieses Studium. Damit kommt nur zum Abschluss, wer was kann und was leisten will. (An meiner Uni in Biologie sind aus meinem Jahrgang 70% der Prüflinge im Vordiplom beim ersten Anlauf gescheitert!)
  • Bei Diplomstudiengängen in den Naturwissenschaften wird nicht eine Normalverteilung angestrebt, sondern die tatsächliche Leistung beurteilt. Anders als z.B.: in Jura, wo es immer eine Notenverteilung über die Prüflinge eines Jahrgangs gibt, bei der eine Normalverteilung angestrebt wird. Damit hängt die persönliche Note von der persönlichen Leistung im Vergleich zu den Mitprüflingen ab. Da gibt es auch bei lauter sehr guten Prüflingen eine (künstliche) Spreizung. Bei anderen Studiengängen sagt die Note etwas über die % eines Erwartungshorizontes, die man erreicht hat. Bei vielen guten Prüflingen fürht dies zu vielen guten Noten.
  • In einem bin ich mir auch sicher: Bei zu geringer Differenzierung ist eine gute Note wenig wert, da sie keinen Vorteil gegenüber einem Mitbewerber um die gleiche Stelle bringt. Zwei Bewerber mit Note 1 sind auf dem Papier gleich gut qualifiziert. Dann geht es nur noch um andere Kriterien. Das ist vielleicht aber sogar sinnvoller als sich auf Zahlen (Noten) zu verlassen, die andere im Zeugnis notiert haben, von denen man nie weiß, wie sie zustande gekommen sind.

Interessante Daten bei Schwellenpädagogik.de:
In einer Untersuchung mit Umfrage unter den Schülern wurde gezeigt, dass der Zeitaufwand für Hausaufgaben in der Mittelstufe sinkt. Aus Gesprächen mit Eltern oder den Nachmittagsbetreuern an meiner Schule mit Tagesheimbetrieb kenne ich das auch. Mir erzählem die KollegInnen aus der Nachmittagsbetreuung auch oft, dass die SchülerInnen zu wenig Hausaufgaben hätten, um die Lernzeit sinnvoll zu füllen. Gemeint sind dabei aber nur die schriftlichen Aufgaben. Lernen und Lesen im Buch für die Nebenfächer ist dann nicht dabei. Das betrachten viele ab der Mittelstufe nicht mehr als Hausaufgabe, weil sie den Hefteintrag mal schnell im Stundenwechsel ansehen und das Buch sowieso nie ansehen. So können sie schließlich auch auf die Note drei oder vier kommen, die ihnen reicht und vergleichsweise geringen Aufwand bedeutet.
Im Prinzip wäre das ja ok, wenn man sich dabei auf Dauer nicht die Arbeitsdisziplin runinieren würde, oder darurch keine Lernmethoden zur Effizienzsteigerung verpassen würde oder nicht in Fächern, die aufeinander aufbauen, Dauerlücken schaffen würde, die dann später zum Problem werden.

Ebenfalls interessant sind die Daten zu den Lieblingsfächern, die im Rahmen der Untersuchung auch erhoben wurden und in einem anderen Artikel bei Schwellenpädagogik vorgestellt werden.

Heute ist traditionell der Tag der Arbeitnehmer und Gewerkschaften. Leider haben wir als Lehrer keine wirkliche Arbeitnehmervertretung. Weder die ensprechenden Lehrerverbände, noch die GEW besitzen eine vergleichbare Durchsetzungskraft wie die IG-Metall, die gerade um 6,5% mehr Lohn feilscht oder früher einmal die 35-Stundenwoche durchgesetzt hat…
In der Öffentlichkeit gelten wir immer noch als faule Säcke mit einem gemütlichen Halbtagsjob, der obendrein noch krisensicher ist. Gerade mit der Sicherheit unserer Arbeitsplätze wird immer wieder begründet, dass wir weniger Lohn/Gehalt bekommen als Leute bei vergleichbarer Ausbildung in der freien Wirtschaft und dass es zumutbar ist, dass wir auch sonstige Einschränkungen hinnehmen müssen. Das beste Beispiel ist unbezahlte Arbeitszeiterhöhung in jüngster Zeit (und damit meine ich nicht nur die Erhöhung der Unterrichtsstunden, sondern auch die Abschaffung von Ermäßigungsstunden für manche Aufgaben im großen Stil) oder die Abschaffung der Absetzbarkeit der häuslichen Arbeitszimmer. Wenn man schon erwartet, dass wir daheim mit unseren Materialien in von uns bezahltem Wohnraum den Unterricht vor- und nachbereiten, dann sollte man das wenigstens bei der Steuer berücksichtigen und nicht Steuerminimierer hingestellt werden.
Aber solange ein Großteil der Kollegen noch verbeamtet sind und damit kein Lehrerstreik droht und solange unser Ansehen in der Öffentlichkeit weiterhin im Keller ist, wird sich an all diesen Problemen unseres Berufs wenig ändern. Solange können wir uns nur daran freuen, dass wir wenigstens einen Teil unserer -entgegen allen Vorurteilen- umfangreichen Arbeitszeit frei einteilen können und wir immer wieder Menschen begegnen, die unsere Arbeit anerkennen. Ich freue mich schon wieder darauf, bald die Abschlusszeugnisse an „meine“ Zehntklässler zu überreichen. Für diesen Moment, für die Erfolgserlebnisse beim Vermitteln von Fachkenntnissen und für die ehrliche Dankbarkeit von Schülern und Eltern, die man doch gelegentlich erfährt, macht man schließlich die Arbeit und nicht für das Geld. Das Geld brauche ich nicht für mein Ego, aber eben zum Leben. Da könnte mehr nicht schaden oder aber mehr Zeit für Frau, Kind und Hobbys.