Via Teachersnews.net bin ich heute auf einen Artikel im Archiv der ZEIT aufmerksam geworden: Verschleierte Mißstände:

Die Berechnungen gehen davon aus, daß jeder Lehrer im Mittel 30 bis 33 Kinder in einer Klasse betreuen könne. Diese Prämisse ist nicht gerade anspruchsvoll, wenn wir uns daran erinnern, daß zum Beispiel in der Sowjetunion für 17 und in Schweden für 24 Kinder ein Lehrer bereitsteht.

Die Süddeutsche berichtet von den Ergebnissen einer schwedischen Untersuchung:

Eigentlich hätte das Feld kahl sein müssen. Zehn Jahre lang hatten Mitarbeiter des schwedischen Landwirtschaftsministeriums Gift gespritzt, jährlich gepflügt und jede Rapspflanze ausgerupft, die sich trotz dieser Behandlung auf der 1200 Quadratmeter großen Versuchsfläche behaupten konnte. 

Dass trotzdem noch Samen von den genveränderten Pflanzen im Boden waren und neue Pflanzen gewachsen sind, nährt wohl nicht nur bei mir die Befürchtung, dass wir manche Geister, die wir riefen nicht mehr loswerden. Jeder Landwirt sollte sich entsprechend gut überlegen, ob er solches Saatgut verwenden will, wenn er damit seinen Acker für die Zukunft auch schon angesät hat. 

Heute habe ich in  Die Zeit ein Interview mit dem Kinder- und Jugendpsychologen Wolfgang Bergmann gelesen. Im Artikel „Die verlorene soziale Stimme“ beschreibt er dort im Interview auch eine Situation, die wir als Lehrer leider auch aus dem Schulalltag kennen:

„Eigentlich bildet sich die Identität so: Ich interessiere mich für den anderen, weil er mich widerspiegelt. „Ich bin, weil du bist“ – das ist ein, wie ich finde, kluges Sprichwort. Umgekehrt hat das auch funktioniert: Wenn ich einem anderen Schmerz zufüge, fühle ich selbst welchen. Das ist heute nicht mehr so. Statt dessen geht es um die Selbstidolisierung. Rücksicht auf andere Menschen hat dabei keinen Platz mehr. Viele Kinder und Jugendliche sehen den Schmerz oder das Leid anderer nicht. Man nimmt den anderen nur noch verschwommen wahr.“

Eine bessere Beschreibung des Zustandes mancher Kinder habe ich noch nicht erlebt, die keinerlei Schuldbewusstsein zeigen, wenn sie jemanden etwas angetan haben. Im kleinen Rahmen ist es eine Verletzung, die man in der Schule in Kauf nimmt, im Großen eben ein Todesfall, weil man Holzklötze von Autobahnbrücken wirft oder Leute ersticht, die sich über das Verhalten in der S-Bahn beschwert haben.